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Seit 23.12.2019 sind die Pläne für das „Gewerbegebiet ehemaliger Holzhof Unterzeil“ auf dem Bauamt veröffentlicht. Hier findet man mehr Infos zum Projekt sowie die vielen unterschiedlichen Gutachten und Pläne zum Download: Infos zum Bebauungsplan. Bis 31.1.2020 kann man eine Stellungnahme abgeben, Ansprechpartner beim Bauamt ist Susanne Bischofberger (susanne.bischofberger@leutkirch.de Tel. 07561 87-414) – nutzen Sie die Möglichkeit.

Ich (Jutta Beyer) habe eine Stellungnahme verfasst, die per Mail an Ortsvorsteherin Renate Falter und Frau Bischofberger vom Bauamt ging. Hier ist meine Stellungnahme:


Sehr geehrte Frau Bischofberger,

kürzlich habe ich erfahren, dass die Pläne für das „Gewerbegebiet ehemaliger Holzhof Unterzeil“ veröffentlicht wurden. Ich war sehr erstaunt und zugegebenermaßen entsetzt über das Ausmaß des Projekts, das weit über das (bislang vermutete) hinausgeht.

Bei den Gutachten wurden meiner Meinung nach einige Gegebenheiten nicht berücksichtigt. Das ist für Auswärtige auf den ersten Blick vielleicht schwer erkennbar. Als Anwohnerin (ich wohne hier seit Geburt, 40 Jahre) möchte ich Ihnen jedoch mitteilen, dass ich das geplante Vorhaben in mehrerlei Hinsicht für bedenklich halte und in der momentan dargestellten Form (vor allem bzgl. Verkehr/Infrastruktur und Höhe der Hallen) untragbar finde.

Verkehr

In Anlage 1 wird das zusätzliche Verkehrsaufkommen mit 920 KfZ-Fahrten pro Werktag und 350 LKW-Fahrten pro Werktag angegeben.

In Anlage_7_9_-_V_8_Verkehrsuntersuchung Seite 8 steht:

„Aus verkehrsplanerischer Sicht sind im Untersuchungsraum aus dem klassifizierten Straßennetz keine Defizite zu erwarten. Die Erschließung wird als verkehrstechnisch funktional eingestuft.“.

Straßensituation

Was genau versteht man als verkehrstechnisch funktional? Ein erhöhtes Verkehrsaufkommen, insbesondere durch LKWs, halte ich für schwer bedenklich, denn die Straßen und Straßensituation der L309 ist weder in Richtung Mailand noch in Richtung Unterzeil geeignet für LKWs.

Die L 309 nach Mailand weist erhebliche Unebenheiten durch Wurzeln, die den Asphalt in die Höhe drücken auf, Bäume sind direkt an der Straße gewachsen. Das bedeutet, dass Autofahrer oft mittig fahren. Zum Beispiel Busse kommen kaum aneinander vorbei, das habe ich selbst schon beobachtet. Beide müssen dann im Schneckentempo vorsichtig aneinander vorbeifahren, der gesamt Verkehr staut sich – das ist bei LKWs nicht anders.

Im Winter bei Schnee (es reicht leichter Schneefall) gibt es oft (trotz aufgestelltem Schneezaun) schwere Verwehungen auf der Straße und diese ist schwer befahrbar.

Die Kurve in Unterzeil bei der Kirche ist sehr eng, hier kommt es oft zu Behinderungen, wenn LKWs vorbeifahren. Manchmal muss ein Auto der gegenüberliegenden Fahrbahn komplett anhalten, damit der LKW vorbeikommt (selbst schon sehr oft miterlebt).

Kommen diese Situationen ab und zu vor, kann man so wie es bisher war damit leben. Doch durch das erhöhte Verkehrsaufkommen, insbesondere die LKWs, wird es hier viel öfters Probleme geben.

Lärm und Abgase

Abgesehen von der schlechten Straßensituation ergibt sich für die Bewohner eine erhöhte Lärmbelästigung sowie vermehrt Abgase. In Niederhofen wurde sogar Zone 30 eingeführt wegen der bereits sehr hohen Lärmbelästigung.

Und nun soll der Industrieverkehr direkt durch die Dörfer geführt werden? Das finde ich nicht in Ordnung.

Verkehrssicherheit für Radfahrer

Das finde ich den allerwichtigsten Punkt, denn hier geht es um den Schutz der Spaziergänger, Radfahrer, UNSERER KINDER.

Auf der L309 nach Mailand ist kein Radweg vorhanden, dieser hört auf der Autobahnbrücke auf. Aufgrund der oben gelisteten Probleme ist es sowieso schon schwierig dort zu radeln, jeder LKW erhöht das Unfallrisiko weiter. Es sind zum Beispiel auch viele Kinder von Niederhofen/Mailand mit dem Rad zum Sportplatz unterwegs.

Sowohl Fußgänger als auch Radfahrer von Unterzeil müssen über die sehr unübersichtliche große Kreuzung Unterzeil, hier gibt es keine Ampeln, nur zwei kleine Inseln, und man muss den Verkehr aus 4 Richtungen beachten.

Das größte Problem ist der Radweg nach Leutkirch über die Zufahrt Holzhof. Hier radeln auch viele Schulkinder. Der Radweg hört oben auf der Brücke auf, dann müssen die Radfahrer / Spaziergänger auf der normalen Straße – die dann die direkte Zufahrt zum Industriegelände ist – weiterfahren, bis unterhalb der Brücke der Radweg weitergeht.

Von Leutkirch kommend müssen Radfahrer nach Unterzeil also zweimal komplett die (Zufahrts-)Straße queren: Vom Radweg zur rechten Seite der Straße (hier ist direkt die Ausfahrt des Industriegeländes) und oben an der Kreuzung wieder nach links auf den Radweg abbiegen.

Alleine in Unterzeil gibt es 2 Bushaltestellen, an denen die Schulkinder die Straßen queren müssen, ohne Ampel oder Zebrastreifen.

Höhe und Größe der Hallen

In Anlage_5_Umweltbericht_Bplan_GE_Holzhof_Zeil_20191115 steht:

„Es ist eine maximale geschlossene Bebauung bis zu 260 m Länge möglich.
Die maximale Höhe (Gesamthöhe) der Gebäude wird mit 18,0 m über natürlichem Gelände festgelegt.“

18 Meter Höhe, das ist riesig – dann noch auf eine größere Fläche ausgedehnt. Warum ist hier eine solche Höhe erlaubt? Weil dort vorher der Holzhof-Kran stand? Dieser war auch keine Schönheit, aber er war von der Fläche her nicht groß und nur ein Stahlgestell, er hatte „Luftlöcher“, sodass er sich einigermaßen gut in die Landschaft eingefügt hat. Hier sprechen wir von riesigen Hallen. Welche Hallen in umliegenden Industriegebieten haben 18 Meter?

Ich finde alles was über 12 Meter hinausgeht eine Zumutung. Das Gebiet des Holzhofs ist kein größeres Industriegebiet, es liegt mitten zwischen Dörfern in der Natur. Wenn ein Gebäude 12 Meter hoch ist, kann man es vielleicht mit geschickter Bepflanzung einigermaßen eingliedern, bei 18 Meter hat man hier keine Chance, da nützt auch eine Begrünung des Flachdachs oder Bäume drumherum nichts.

Auch finde ich 260 Meter Länge einen viel zu hohen Maximalwert für eine geschlossene Bebauung, das wären enorme Klötze.

Fazit

Das Projekt beeinträchtigt in der momentan geplanten Form in hohem Umfang die Lebensqualität und die Sicherheit der Einwohner sowie die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer, insbesondere Radfahrer und Spaziergänger.

Bei so einem großen Projekt hätte ich mir mehr Aufklärung der Bevölkerung gewünscht, zum Beispiel eine Infoveranstaltung. Viele mit denen ich bislang gesprochen haben fühlen sich überfahren, weil niemandem bewusst war, welches Ausmaß das Projekt hat. Die Baupläne sind für Laien sehr unübersichtlich zu lesen, die Verunsicherung ist groß – über die Weihnachtszeit haben wohl wenige die Veröffentlichung der Baupläne bemerkt, sondern erst kürzlich. Ich finde die Frist sollte verlängert werden, damit noch mehr Menschen die Chance haben, sich zu äußern. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen und sich mit den Bedenken befassen.

Mit freundlichen Grüßen

Jutta Beyer (und Philipp Beyer)
Kaiserhalde 13 (Unterzeil)
88299 Leutkirch